Die dunkle Seite des Tourismus in Thailand

Wenn es um Traumurlaubsziele geht, steht Thailand für die meisten Reisenden ganz weit oben auf der Liste - und das aus gutem Grund. Das Land ist von einigen der atemberaubendsten Stände der Welt gesäumt, hat meilenweit unberührten Dschungel, ist voll von antiken Tempeln, hat ein unnachahmliches Nachtleben und eine legendäre feurige Küche. All das zieht schon seit Jahrzehnten Vagabunden, Auswanderer, Urlauber und Künstler an, die von der Mischung aus Friedlichkeit und Chaos, aus Spiritualität und entschlossenem Kapitalismus, aus beschaulicher Natur und urbanem Hedonismus verzaubert sind. Dieser Enthusiasmus auf Seiten der Reisenden hat den Tourismus für die thailändische Wirtschaft unglaublich wichtig gemacht. Gemäß der Touristikbehörde Thailands trägt die Branche jedes Jahr mit über 70 Milliarden Dollar zu der Volkswirtschaft des Landes bei. 

Die Wahrheit ist, dass die meisten Touristen, die Thailand besuchen, mit nichts weniger als staunenswerten Erinnerungen, einer tollen Sonnenbräune und Geschichten in Hülle und Fülle nach Hause fahren. Es gibt allerdings auch eine Schattenseite der thailändischen Tourismusbranche - wie es sie bei den meisten Urlaubszielen in aller Welt gibt. Ein Teil dieser Schattenseite kann ganz besonders abstoßend und - zuweilen - sogar tödlich sein. Im Folgenden zeigen wir Ihnen nur ein paar der Probleme, die dafür gesorgt haben, dass der Thailand-Tourismus in jüngster Zeit in die Schlagzeilen geraten ist. Alle davon sind eine Berücksichtigung bei Ihrer Reiseplanung wert, wenn Sie sicherstellen möchten, dass Sie sich nicht in einer gefährlichen Lage wiederfinden oder unwissentlich Praktiken unterstützen, mit denen die Wehrlosesten auf unserem Planeten zu Opfern gemacht werden.

Ist Koh Tao wirklich eine Todesinsel?

Die Traumstrände von Koh Tao.

Sie können mit einem beliebigen einfachen oder gehobenen Rucksacktouristen, Aussteiger, Hippie, Clubgänger oder begeisterten Taucher, der in Thailand war, reden, und Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit den Namen Koh Tao aus seinem Mund kommen hören. Diese Insel - ein winziges Fleckchen Land mitten im Golf von Thailand - stellt für viele Touristen genau das dar, worum es bei einer Reise nach Thailand geht. Es gibt jede Menge preisgünstige Hotels und Bungalows direkt am Strand, weiße Sandstrände, türkisfarbenes Meer und legere Bars aller Art, die billige Drinks unters Volk bringen.

Koh Tao ist jedoch in jüngster Zeit aufgrund einer Serie von Todesfällen unter anderem von ausländischen Touristen in Verruf geraten. Als 2014 die Leichen von Hannah Witheridge und David Miller an einem der Strände aufgefunden wurden, ließ es sich nicht mehr vermeiden, dass die Sache ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. Im Rahmen der Aufklärung des Falles wurden zwei Wanderarbeiter aus Myanmar während einer Ermittlung und Gerichtsverhandlung, die alles andere als Standard war (oder den Standards gerecht wurde, wenn man so will), der Tat beschuldigt. Zu den Beschwerden, die über die Gerichtsverhandlung vorgebracht wurden, gehören nach Berichten von news.com.au und The Bangkok Post Anschuldigungen über unzureichende Abriegelung des Tatorts und unsachgemäßen Umgang mit Beweismaterial. Das Todesurteil für die zwei Arbeiter spricht auch Bände über das Schicksal von Randgruppen in Gebieten mit hohem Tourismusaufkommen. Die beiden sind möglicherweise gefoltert und reingelegt worden, teilweise aufgrund ihres Außenseiterstatus als Wanderarbeiter.

Der Doppelmord ist nicht die einzige verstörende Nachricht aus jüngerer Zeit, die uns in den vergangenen Jahren aus Koh Tao erreicht hat. Anfang 2017 wurde eine belgische Rucksacktouristin im Dschungel der Insel tot aufgefunden. Ihr Tod wurde von der Polizei als Selbstmord eingestuft, obwohl nach Berichten von The Daily Mail weiterführende Ermittlungen mittlerweile alles von Mord bis hin zu Verstrickung in einen üblen Ashram auf der benachbarten Insel Koh Phangan offen lassen. Während in den letzten Jahren noch mehrere weitere Todesfälle vorkamen - und Angehörige der Opfer sich über die Vorgehensweise der örtlichen Polizei oft bestürzt äußern - ist es ebenfalls wichtig, festzuhalten, dass die Verhaltensweisen, zu denen von Koh Tao selbst angeregt wird, auch eine Rolle spielen können. Schließlich sind Drogen, Alkohol, tropische Hitze und große Gewässer nicht unbedingt die sicherste Kombination. Abgesehen davon werden wohl die meisten die Insel für ein wunderschönes und sicheres Fleckchen Erde mit traumhaften Schnorchelmöglichkeiten halten. (Unsere Chefredakteurin hat sogar einen Teil ihrer Flitterwochen in dem gehobenen Haad Tien Beach Resort verbracht und empfiehlt die Anlage wärmstens.) 

Das Kayan-Volk und der Fall von Flüchtlingen als Touristenziel

anson chu/Flickr

Die wenigen abstoßenden Nachrichten, die Westler über Thailand mitbekommen, konzentrieren sich häufig auf das Schicksal einer kleinen Minderheit ausländischer Touristen, die ein tragisches Ende gefunden haben. Andere Teilbereiche der thailändischen Tourismusbranche haben hingegen problematische Auswirkungen auf einheimische Thais und Einwanderer aus verarmten Nachbarländern Thailands wie Myanmar, Kambodscha und Laos. Wanderarbeiter und Flüchtlinge werden auf der ganzen Welt zum Sündenbock für Verbrechen und Arbeitslosenquoten gemacht - unter anderem auch hier in den Vereinigten Staaten. Das gleiche trifft auch auf Thailand zu, wenn auch auf eine Art und Weise, die Sie möglicherweise nicht mitbekommen.

Sie haben vermutlich schon Bilder von Kayan-Frauen gesehen, die bekannt dafür sind, ihre Hälse mittels schwerer Messingketten im heranwachsenden Alter auf unfassbare Weise zu verlängern. Die Volksgruppe kam aus Myanmar auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung durch ein Regime, das auf ethnische Reinhaltung bedacht ist, und erhielt in Thailand Flüchtlingsstatus. Die thailändische Staatsbürgerschaft wird den Kayan jedoch verweigert und ihre Rechte in ihrem neuen Heimatland sind extrem eingeschränkt. Das führt selbstverständlich zu Problemen wie Ausbeutung und in manchen Fällen auch Menschenhandel. 

Heutzutage leben die Kayan innerhalb Thailands in speziell ihnen zugewiesenen Dörfern, die als „authentisch“ bezeichnet werden, aber in vielen Fällen nichts weiter als eine Dauervorstellung sind, die von den Mitgliedern der Gemeinschaft aufgeführt wird, weil sie keine andere Wahl haben. In einem Artikel, der 1997 in der New York Times erschienen ist, hat der Journalist Andrew Drummond enthüllt, dass einige Mitglieder des Kayan-Volkes, die gezwungen wurden, in der Nähe der Grenze zu Myanmar zu leben, entführt wurden und Misshandlungen mit teilweise tödlichem Ausgang ausgesetzt waren, um zu verhindern, dass sie das Land verlassen.

Angehörige des Kayan-Volkes haben sich in Organisationen wie dem Karenni Refugee Committee zusammengeschlossen, das mittlerweile mit The Border Consortium zusammenarbeitet, um einen Beitrag dazu zu leisten, dass in den Flüchtlingsgemeinschaften im Nordwesten Thailands die humanitären Standards erfüllt sind. Über 10 Jahre später hat die BBC allerdings berichtet, dass die UN einen Boykott der Dörfer in Erwägung zieht, weil es gut fundierte Meldungen gibt, den Flüchtlingen werde das Recht verweigert, sich außerhalb Thailands neu niederzulassen. Das liegt teilweise daran, dass sich die Dörfer oft auf Privatland in Thai-Eigentum befinden und für die Grundbesitzer, die häufig mächtige Mitglieder der Thai-Gemeinschaft sind, eine Haupteinnahmequelle darstellen. 

Wenn aber keine Touristen mehr kommen, verschwindet auch noch das kleine Einkommen, von dem die Kayan leben, und ihre Zukunftsaussichten sehen womöglich noch trostloser aus. Gemäß einer Website, die angeblich die in Huay Pu Keng lebenden Kayan vertritt, „sind sie finanziell von Touristen abhängig. Den Großteil ihres Einkommens erzielen Sie aus dem Verkauf ihrer gewebten Schals und Taschen an Besucher.“

Sextourismus und Menschenhandel

Einer der Clubs auf dem Nachtmarkt von Patpong in Bangkok.

Bangla Road. Nachtmarkt von Patpong. Soi Cowboy. Walking Street in Pattaya. Thailand ist reich an Rotlichtvierteln, einige davon gehören zu den berühmt-berüchtigtsten der Welt. Um es ganz klarzustellen, wir geben die Schuld nicht den dort Arbeitenden selbst, von denen viele aus Gründen, die außerhalb ihrer eigenen Kontrolle liegen, in diese Lebensweise gedrängt werden. Aber es gibt schuldige Parteien, die an vielen Fronten involviert sind, wenn es um Sexarbeit und Menschenhandel in Thailand geht - und der Großteil der Schuld liegt bei den Touristen selbst. 

Nach Angaben des UNHCR, dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, gab es im Jahr 2013 mindestens drei Millionen Wanderarbeiter in Thailand. Und obwohl ein erheblicher Teil dieser Zahl in der Fischereibranche Thailands und anderen Industrien arbeitet - was nicht bedeutet, dass sie frei von Ausbeutung sind - werden Männer, Frauen und Kinder auch in die boomende Sexbranche Thailands gedrängt. Nach einer Stellungnahme der UN „liegt diese Zahl nach konservativen Schätzungen bei Zehntausenden von Opfern.“ Eine weitere UN-Behörde, die Action for Cooperation Against Trafficking in Persons, bestätigt diese Behauptung und merkt an, dass „Sextourismus weiterhin ein Faktor ist, der den Nachschub für den Menschenhandel mit Opfern für sexuelle Ausbeutung ankurbelt, wobei gleichzeitig Korruption den Fortschritt bei den Bemühungen dagegen begrenzt.“

Die Situation liegt teilweise an dem relativen Wohlstands Thailands in einer Region, in der die Nachbarn mit zu den Staaten mit dem niedrigsten BIP in Asien gehören. Genau diese Länder haben auch eine Vorgeschichte der rücksichtslosen Bombardierung durch die Vereinigten Staaten (im Fall von Kambodscha und Laos), gewaltsamer ausländischer Interventionen (Vietnam), der abrupten Beendigung von unterdrückerischen Kolonialsystemen (Laos, Vietnam, Kambodscha und Myanmar) und repressiven Regimes, die auf ethnische Säuberungen aus sind (Myanmar). Und im Verlauf der Zeit blieb Thailand etwas wie der einzige Lichtblick in der Region. Angesichts der bereits erwähnten Abhängigkeit Thailands vom internationalen Tourismus als gigantischer Einnahmequelle, besteht nur wenig Anreiz, Gesetze gegen Menschenhandel und Sexarbeit entschlossen durchzusetzen. 

Und für den Fall, dass Sie noch einen Beweis für die Rolle westlicher Touristen beim Ankurbeln dieser Branche brauchen, machen Sie einfach an einem beliebigen Wochentag einen nächtlichen Spaziergang durch den Nachtmarkt von Patpong und achten Sie auf die Sprachen, die von den Stammkunden der Ping-Pong-Shows und Stripclubs (die im Grunde Bordelle sind) gesprochen werden. Es ist kein Thai, Khmer oder Vietnamesisch, das Sie da hören. 

Elefanten-Schutzgebiete und andere Attraktionen mit exotischen Tieren

Christian Haugen/Flickr

Im Jahr 2016 wurde die fröhliche Fassade von Thailands Tourismusaktivitäten im Zusammenhang mit Tieren unvermittelt heruntergerissen, als die Thai-Behörden eine Razzia in dem einst berühmten Tiger-Tempel in der westlichen Provinz Kanchanaburi vornahmen. Obwohl argumentiert wurde, dass die Mönche und das Personal des Tempels den 137 Tigern dort eigentlich ein besseres Leben boten, als staatliche Zoos es tun, war es die Entdeckung von Tierfellen und anderen Produkten auf dem Schwarzmarkt, die bei denjenigen, die von den Nachrichten gehört haben, einen Nerv getroffen hat. Der Tempel machte nach Schätzungen von Al Jazeera jeden Tag um 15.000 US-Dollar, da Touristen herbeiströmten, um Fotos mit den scheinbar zahmen ausgewachsenen Tigern und Tigerbabys zu machen. Wie es scheint, wurde sogar noch mehr Geld mit dem Verkauf von Körperteilen von Tigern auf dem chinesischen Markt gemacht. 

Weiter nördlich in Chiang Mai ist Elefantenreiten eine beliebte Touristenaktivität, aber auch das ist im besten Fall fragwürdig. Wie Al Jazeera feststellt, nimmt die Sache ihren Anfang mit dem Schmuggel von Elefantenbabys in das Land und geht mit brutalen Dressurmethoden weiter, bei denen die Tiere Misshandlungen aller Art ausgesetzt sind. Darüber hinaus werden die Tiere zwischen den Ausritten häufig in Ketten oder auf andere Weise eingeengt gehalten und sind in diesen Zeiten auch einer oft unsanften Behandlung durch Elefantenführer ausgesetzt. Und damit sind die Familiensyndikate noch nicht einmal erwähnt, die den Elefantenschmuggel kontrollieren und all diejenigen einschüchtern, die sich für ein besseres Leben von Tieren in Gefangenschaft einsetzen.

Sie sollten umfangreiche Recherchen vornehmen, bevor Sie eine Sehenswürdigkeit im Zusammenhang mit Tieren in Thailand besuchen, da auch diejenigen, die es vorziehen, sich Schutzgebiet zu nennen, das möglicherweise nur dem Namen nach sind. Entscheiden Sie sich lieber für Begegnungen mit Tieren, die Teil einer Auswilderung ehemals misshandelter Tiere sind, wenn Sie in Kontakt mit der Natur kommen wollen, ohne ihr Schaden zuzufügen. Dazu gehören der Elephant Nature Park und das Boon Lott's Elephant Sanctuary. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen, Sie können in keiner dieser Einrichtungen auf Elefanten reiten - das ist eine Praxis, die Sie meiden sollten, wenn Ihnen wirklich daran liegt, diesen Tieren zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Sollten Sie dennoch hinfahren?

Junge Mönche in Bangkok.

Unsere schallende Antwort ist ja, Sie sollten auf jeden Fall dennoch Thailand besuchen. Aber die Erwartungen müssen gut überlegt sein und Sie müssen sich etwas Know-how aneignen. Die Tage Thailands als Land der Glückseligkeit für unkonventionelle Touristen gehören grundsätzlich der Vergangenheit an. So gut wie alle ehemals unberührten traumhaften Fleckchen Erde des Landes sind von der Tourismusmaschinerie geschluckt worden, was bedeutet, dass Sie, wenn Sie nicht bereit sind, den Touristenpfad weiträumig zu umgehen, Werbung für Elefantenritte, ganze Häuserblocks von Läden, die identische Souvenirs verramschen, Männer und Frauen, die Sex verkaufen, und viele Angebote an illegalen Drogen vorfinden werden. Um fair zu sein, gibt es inmitten all dieser Dinge immer noch eine jahrhundertealte buddhistische Tradition, Einheimische, die bereit sind, Sie an ihrer Kultur teilhaben zu lassen, eine erstaunliche Straßenkultur und traumhafte Naturkulissen der unterschiedlichsten Art.

Und um das Ganze in ein Verhältnis zu bringen, sind gemäß mehrerer UN-Berichte die Kriminalitätsraten für viele Gewaltverbrechen und der Gebrauch harter Drogen in ganz Thailand geringer als in den Vereinigten Staaten, obwohl die Mordrate insgesamt ein bisschen höher liegt. Es wäre aber ein Fehler, Thailand komplett zu meiden. Fast jede Nation auf Erden muss sich mit ihren eigenen dornigen Ethikproblemen herumschlagen, angefangen von Polizeibrutalität und der einfachen Beschaffungsmöglichkeit von Schusswaffen in den Vereinigten Staaten bis hin zu der Behandlung von Flüchtlingen in Australien. Wir behaupten nicht, dass auf dieser Welt absolute Sicherheit möglich ist, aber in Ländern wie Thailand können ein bisschen Recherche und etwas Gewieftheit sehr viel dazu beitragen, dass Ihr nächster Urlaub dort so unbekümmert wie möglich verläuft. 

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